wsd:selbststaendiges_leben:theorien:selbstbestimmung
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| - | ===== Selbstbestimmung und Selbstständigkeit | + | ===== Causal Agency-Theorie |
| - | **Zitiervorschlag**: | + | **Zitiervorschlag**: |
| Die „Causal Agency-Theorie“ (Theorie kausaler Handlungsfähigkeit) versucht zu erklären, wie sich Selbstbestimmung entwickelt und wie Menschen selbstbestimmt handeln lernen. Selbstbestimmung wird als entwickelbare Kompetenz verstanden, nicht als festes Persönlichkeitsmerkmal. | Die „Causal Agency-Theorie“ (Theorie kausaler Handlungsfähigkeit) versucht zu erklären, wie sich Selbstbestimmung entwickelt und wie Menschen selbstbestimmt handeln lernen. Selbstbestimmung wird als entwickelbare Kompetenz verstanden, nicht als festes Persönlichkeitsmerkmal. | ||
| - | Kausale Handlungsfähigkeit (Causal Agency) bezeichnet die Fähigkeit und das Bewusstsein eines Menschen, eigene Ziele zu setzen, Entscheidungen zu treffen und durch eigenes sowie kooperatives Handeln Veränderungen in der eigenen Lebenssituation herbeizuführen. Kausale Handlungsfähigkeit beschreibt die Möglichkeit, | + | Kausale Handlungsfähigkeit (Causal Agency) bezeichnet die Fähigkeit und das Bewusstsein eines Menschen, eigene Ziele zu setzen, Entscheidungen zu treffen und durch eigenes sowie kooperatives Handeln Veränderungen in der eigenen Lebenssituation herbeizuführen. Kausale Handlungsfähigkeit beschreibt die Möglichkeit, |
| - | Selbstbestimmung wird als ein sich über die gesamte Lebenspanne hinweg weiterentwickelnder Prozess verstanden, der immer in einem Spannungsfeld mit Fremdbestimmung und bestehenden Abhängigkeiten steht. Daher bedeutet Selbstbestimmung in der Causal Agency-Theorie nicht, möglichst unabhängig und selbstständig zu handeln oder absolute Kontrolle über den gesamten Prozess zu haben. Selbstbestimmte Menschen im Sinne der Causal Agency-Theorie haben die Möglichkeit eine Vision für die eigene persönliche Zukunft zu entwickeln und können die eigenen Fähigkeiten sowie die Ressourcen ihrer Umwelt nutzen, um Kontexte zu verändern und bestehende Barrieren abzubauen, um die angestrebten Ziele zu erreichen (vgl. Shogren/ Raley 2025, 35ff.) | + | Selbstbestimmung wird als ein sich über die gesamte Lebenspanne hinweg weiterentwickelnder Prozess verstanden, der immer in einem Spannungsfeld mit Fremdbestimmung und bestehenden Abhängigkeiten steht. Daher bedeutet Selbstbestimmung in der Causal Agency-Theorie nicht, möglichst unabhängig und selbstständig zu handeln oder absolute Kontrolle über den gesamten Prozess zu haben. Selbstbestimmte Menschen im Sinne der Causal Agency-Theorie haben die Möglichkeit eine Vision für die eigene persönliche Zukunft zu entwickeln und können die eigenen Fähigkeiten sowie die Ressourcen ihrer Umwelt nutzen, um Kontexte zu verändern und bestehende Barrieren abzubauen, um die angestrebten Ziele zu erreichen (vgl. Shogren/ Raley 2025, 35ff.). |
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| * Planungsfähigkeiten | * Planungsfähigkeiten | ||
| - | //Handlungssteuernde Überzeugungen | + | //Agentische Handlung |
| - | Beispielhafte Fähigkeiten und Fertigkeiten für Handlungssteuernde Überzeugungen sind: | + | Beispielhafte Fähigkeiten und Fertigkeiten für selbstreguliertes |
| - | * Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung | + | * Initiative |
| - | * Selbstkenntnis | + | * Selbstregulations-/Selbstmanagementfähigkeiten |
| - | * Selbstwirksamkeitserwartung | + | * Zielerreichungsfähigkeiten |
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| - | === 3. Kontext | + | |
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| - | Die Causal Agency-Theorie betont, dass kausale Handlungsfähigkeit (causal agency) nicht nur von inneren Faktoren wie Motivation oder individuellen Fähigkeiten abhängt, sondern in besonders hohem Maße davon, ob der Kontext Zugänge und Gelegenheiten zur Selbstbestimmung bereitstellt und diese förderlich unterstützt. Der Kontext umfasst die sozialen, kulturellen, | + | |
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| - | Der Kontext dient hierbei auch als Lernumfeld, in dem Menschen Erfahrungen mit Zielsetzung, | + | |
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| - | ==== Bedeutung der Causal Agency-Theorie für die sonderpädagogische Praxis ==== | + | |
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| - | === 1. Psychologische Grundbedürfnisse === | + | |
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| - | Die der Causal Agency-Theorie zu Grunde gelegten psychologischen Grundbedürfnisse Autonomie, Kompetenz und Soziale Eingebundenheit beziehen sich auf die von RYAN & DECI (2008, 2017) entwickelte Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory, SDT). | + | |
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| - | //Autonomie (Autonomy):// | + | |
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| - | //Kompetenz (Competence):// | + | |
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| - | //Soziale Eingebundenheit (Relatedness):// | + | |
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| - | Diese drei Grundbedürfnisse | + | |
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| - | Autonome Motivation kennzeichnet, | + | |
| - | Konkret bedeutet dies: | + | |
| - | * Die Motivation ist intrinsisch. | + | |
| - | * Die Person erlebt sich als Verursacher (Agent) ihres Handelns. | + | |
| - | * Entscheidungen, | + | |
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| - | === 2. Selbstbestimmtes Handeln === | + | |
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| - | Selbstbestimmtes Handeln ist ein zentrales Element der Causal Agency-Theorie. Es entsteht, wenn Menschen sich als „Verursacher“ (causal agents) ihres eigenen Handelns erleben und sich als aktive Gestalter ihres Lebens erfahren, nicht als passive Empfänger äußerer Umstände. Es werden drei Aspekte selbstbestimmten Handeln unterschieden (vgl. Shogren/ Raley 2025, 45ff./ Wehmeyer 2022, 56f.): | + | |
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| - | //Volitionale Handlung | + | |
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| - | Beispielhafte Fähigkeiten und Fertigkeiten für das willentliche Handeln sind: | + | |
| - | * Fähigkeiten zur Auswahlentscheidung | + | |
| - | * Zielsetzungsfähigkeiten | + | |
| * Problemlösungsfähigkeiten | * Problemlösungsfähigkeiten | ||
| - | * Planungsfähigkeiten | + | * Selbstvertretungsfähigkeiten |
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| - | Beispielhafte Fähigkeiten und Fertigkeiten für selbstreguliertes und selbstgesteuertes Handeln sind : | + | |
| - | • Initiative | + | |
| - | • Selbstregulations-/ | + | |
| - | • Zielerreichungsfähigkeiten | + | |
| - | • Problemlösungsfähigkeiten | + | |
| - | • Selbstvertretungsfähigkeiten | + | |
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| * Selbstwirksamkeitserwartung | * Selbstwirksamkeitserwartung | ||
| - | === 3. Kontext === | + | === 3. Kontext |
| Die Causal Agency-Theorie betont, dass kausale Handlungsfähigkeit (causal agency) nicht nur von inneren Faktoren wie Motivation oder individuellen Fähigkeiten abhängt, sondern in besonders hohem Maße davon, ob der Kontext Zugänge und Gelegenheiten zur Selbstbestimmung bereitstellt und diese förderlich unterstützt. Der Kontext umfasst die sozialen, kulturellen, | Die Causal Agency-Theorie betont, dass kausale Handlungsfähigkeit (causal agency) nicht nur von inneren Faktoren wie Motivation oder individuellen Fähigkeiten abhängt, sondern in besonders hohem Maße davon, ob der Kontext Zugänge und Gelegenheiten zur Selbstbestimmung bereitstellt und diese förderlich unterstützt. Der Kontext umfasst die sozialen, kulturellen, | ||
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| **4. Didaktisch-methodische Orientierung** | **4. Didaktisch-methodische Orientierung** | ||
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| Die Causal Agency-Theorie bietet konkrete Anhaltspunkte zur Gestaltung von Lernumgebungen: | Die Causal Agency-Theorie bietet konkrete Anhaltspunkte zur Gestaltung von Lernumgebungen: | ||
| * Wahlmöglichkeiten schaffen und Entscheidungsfähigkeit entwickeln | * Wahlmöglichkeiten schaffen und Entscheidungsfähigkeit entwickeln | ||
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| ===== Literatur ===== | ===== Literatur ===== | ||
| - | Ryan, R.M./ Deci, E.L. (2008). Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, | + | Ryan, R.M. & Deci, E.L. (2008). Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, |
| - | Ryan, R.M./ Deci, E.L. (2017). Self-Determination Theory: Basic Psychological Needs in Motivation, Development, | + | Ryan, R.M. & Deci, E.L. (2017). Self-Determination Theory: Basic Psychological Needs in Motivation, Development, |
| - | Shogren, K.A./ Raley, S.K. (2025). Selbstbestimmung und Causal Agency-Theorie. Von der Forschung in die Praxis. Heidelberg: Springer. | + | Shogren, K.A. & Raley, S.K. (2025). Selbstbestimmung und Causal Agency-Theorie. Von der Forschung in die Praxis. Heidelberg: Springer. |
| Wehmeyer, M.L. (2022). Lebensqualität und Selbstbestimmung. In: Zentel, P. Lebensqualität und geistige Behinderung. Theorien, Diagnostik, Konzepte. Stuttgart: Kohlhammer, 55-61. | Wehmeyer, M.L. (2022). Lebensqualität und Selbstbestimmung. In: Zentel, P. Lebensqualität und geistige Behinderung. Theorien, Diagnostik, Konzepte. Stuttgart: Kohlhammer, 55-61. | ||
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