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Mobilität und Mobilitätsbildung

Zitiervorschlag: Gromer, Benjamin (2026). Mobilität und Mobilitätsbildung. Abgerufen von URL: https://wsd-bw.de/doku.php?id=wsd:selbststaendiges_leben:themenfeld:theorien_bewegung:mobilitaet, CC BY-SA 4.0

Mobilität stellt ein Grundbedürfnis aller Menschen dar. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Alltags und Teil einer selbstbestimmten und selbstständigen Lebensgestaltung. Mobilität ist sowohl Voraussetzung als auch Chance für die Partizipation am gesellschaftlichen Leben und an zentralen Lebensbereichen wie Arbeit, Wohnen, Freizeit, Sport und Medien. Mobilität ist damit „[…] eine entscheidende, leider oft nicht erkannte Voraussetzung zur Inklusion und Teilhabe“ (Stöppler, 2018). In besonderem Maße gilt dies für Menschen mit Behinderungen, die in ihren Mobilitätsmöglichkeiten aus verschiedensten Gründen Einschränkungen und Barrieren erfahren (vgl. Markowetz & Wolf, 2020). Möglichkeiten der Mobilität stellen in diesem Zusammenhang einen bedeutsamen Faktor für die Lebensqualität dar.

Mobilität (lat. mobilitas) bedeutet Beweglichkeit, Veränderlichkeit und meint grundsätzlich jegliche Positionsveränderung (vgl. Stöppler, 2023). Die ICF-CY zeigt in der Domäne „Mobilität“ eine erweiterte Bedeutungsbeschreibung des Begriffs auf. Darunter wird Bewegung durch Änderung der Körperposition oder -lage oder die Verlagerung von einem Platz zu einem anderen, Bewegung von Gegenständen durch Tragen, Bewegen oder Handhaben sowie Fortbewegung durch Gehen, Rennen, Klettern oder Steigen und durch den Gebrauch verschiedener Transportmittel verstanden (vgl. Hollenweger & Kraus de Camargo, 2017).


Mobilitätsbarrieren

Neben den personen- und körperbezogenen Barrieren können Menschen auch durch sprachliche, soziale sowie sozioökonomische Barrieren in ihrer Mobilität eingeschränkt werden. So können z. B. Probleme aufgrund der (eingeschränkten) Kommunikation, des (rücksichtslosen) Verhaltens anderer Verkehrsteilnehmender sowie eines niedrigen Einkommens entstehen. Nach Stöppler (2018, 2023) lassen sich für die praktische Realisierung mobilitätsfördernder Angebote vier Bedürfnisgruppen bilden.

Die folgende Übersicht stellt anhand dieser Personengruppen typische Probleme im Straßenverkehr und mögliche Maßnahmen zur Barrierefreiheit dar:

Zitiervorschlag: Grafik „Mobilitätsbarrieren und Maßnahmen zur Barrierefreiheit nach Stöppler (2023)“ von Gromer, B. (2026). Abrufbar unter URL: https://wsd-bw.de/lib/exe/fetch.php?cache=&media=wsd:selbststaendiges_leben:themenfeld:theorien_bewegung:grafik_mobilitaetsbarrieren.png, CC BY-SA 4.0


Mobilitätsbildung

Mobilitätsbildung hat sich von der Verkehrserziehung im Sinne des Lernens von Verkehrsverhaltensregeln hin zu einer kompetenz-, handlungs- und sozialraumorientierten Mobilitätsbildung weiterentwickelt. Ziel ist dabei neben der individuellen Wissens- und Kompetenzerweiterung die Ermöglichung von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung sowie der individuellen Mobilitätsgestaltung und der Erweiterung von Teilhabemöglichkeiten (vgl. Wolf, 2022; KMK, 2012). „Mobilität und die darauf abzielende Mobilitätsbildung gestalten sich stets dynamisch in Wechselbeziehung personen- und körperbezogener (subjektive Perspektive) sowie sozial-struktureller Faktoren (objektive Perspektive)“ (Wolf, 2024).

Aktuelle theoretische Modelle, wie das „Berliner Modell der Mobilitätsbildung“ (Stiller et al., 2023), formulieren folgende Ziele und Inhalte für Bildungs- und Erziehungskonzepte im Kontext der räumlichen Mobilität:

Zukunftsfähig mobil sein

Umweltbewusst mobil sein

Gesundheitsbewusst mobil sein

Demokratisch und gerecht mobil sein

Selbstständig mobil sein

Miteinander mobil sein

Sicher mobil sein


Literatur

Hollenweger, J. & Kraus de Camargo, O. (Hrsg.) (2017). WHO ICF-CY. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Göttingen: Hogrefe.

KMK (2012). Empfehlung zur Mobilitäts- und Verkehrserziehung in der Schule. Abgerufen unter URL: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/1972/1972_07_07-Mobilitaets-Verkehrserziehung.pdf

Markowetz, R. & Wolf, M. (2020). Bericht zum Forschungsprojekt FE 82.0663/2016. Förderung eigenständiger Mobilität von Erwachsenen mit geistiger Behinderung. In: Bundesanstalt für Straßenwesen (Hrsg.) Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen. Mensch und Sicherheit. Heft M 294.

Stiller, J., Röll, V., Miehle, L., Stage, D., Becker, J., Pech, D. & Schwedes, O. (2023). Berliner Modell zur Mobilitätsbildung. Abgerufen unter URL: https://edoc.hu-berlin.de/items/2160b216-15b9-49dd-bbfd-b61582471833

Stöppler, R. (2002). Mobilitäts- und Verkehrserziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Stöppler, R. (2018). Inklusiv mobil. Mobilitätsförderung bei Menschen mit geistiger Behinderung, Dortmund: Modernes Lernen.

Stöppler, R. (2023) Behinderung(en) und Mobilität. Abgerufen unter URL: https://www.bpb.de/themen/inklusion-teilhabe/behinderungen/521507/behinderung-en-und-mobilitaet/

Wolf, M. (2022). Mobilitätsbildung für Menschen mit geistiger Behinderung. Eine systemisch-interaktionistische Perspektive. In: Teilhabe 4/2022, Jg. 61, 152–157.

Wolf, M. (2024). Mobilitätsbildung für Menschen mit geistiger Behinderung. Theoretische Reflexion und konzeptionelle Aspekte. Abgerufen unter URL: https://epub.ub.uni-muenchen.de/108521/


Layout und Gestaltung: Christian Albrecht, Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg